Über 110 Jahre im Dienste einer sauberen Sache

Anton Weber, der das Handwerk des Bürstenmachers bei seinem Vater, dem Bürstenmachermeister Karl Weber, erlernt hatte, gründete 1894 im Alter von 24 Jahren seine eigene Firma. Neben seiner mithelfenden Ehefrau und den drei Kindern wurden außerdem schon drei Mitarbeiter beschäftigt. Schon nach kurzer Zeit wurde der Arbeitsraum zu klein und Anton Weber erwarb die Kleinmühle zwischen den heutigen Bad Camberger Ortsteilen Erbach und Oberselters.

Viel Handarbeit war zur Herstellung von Bürsten erforderlich, doch mit Hilfe eines Mühlrades und eines daran angeschlossenen Generators konnten bereits eine Hand- und eine Kreissäge, eine Hobelmaschine und eine Bohrmaschine zur Herstellung der Bürstenkörper aus Holz betrieben werden.

Das Produktprogramm umfaßte damals hauptsächlich Bürsten für den Haushalt und die Landwirtschaft, welche von der Ehefrau den den Kindern in kleinen Handwagen zu den Haushaltswarengeschäften der umliegenden Ortschaften geliefert wurden.

In den ersten 10 bis 20 Jahren nach der Gründung wurden Besen in handwerklicher Arbeitsweise hergestellt. Wickeln, Stopfen, Stecken, Binden und Pechen hießen die Tätigkeiten. Doch schon kurz nach der Jahrhundertwende erkannte der Firmengründer den zunehmenden Bedarf an Kehrgeräten im Straßenbau und - bedingt durch den sich schnell entwickelnden Maschinenbau - auch den Anwendungsbereich in der maschinellen Straßenreinigung.

Als Mitte der zwanziger Jahre die vier Söhne Anton, August, Wilhelm und Franz den Betrieb übernahmen begann eine enge Zusammenarbeit mit den wichtigsten Herstellern von Straßenkehrgeräten. Die damaligen Straßenkehrmaschinen wurden von Pferdegespannen gezogen, aber unter den Fahrkehrgeräten hingen schon - schräg angeordnet, wie an modernen Straßenkehrmaschinen von heute - WEBER-Kehrwalzen.

Beborstungen aus Kunststoff waren noch völlig unbekannt, Tier- und Naturfasern in verschiedenen Qualitäten wie Pferde- und Schweineborsten, Piassava, Bassine, Reisig, Kokos und Wurzelfasern dienten als bevorzugtes Material und konnte teilweise nur mit gelerntem, handwerklichem Geschick in die verschiedenen Holzkörperformen eingebracht werden.

Die beiden Weltkriege ließen Entwicklung und Produktion von Bürstensystemen weitgehend stagnieren. Da die Firmengebäude jedoch von den Kriegseinwirkungen weitgehend verschont blieben, konnte die Fertigung schnell wieder aufgenommen werden.

Der technische Fortschritt hielt auch in unserem Hause in den Zeiten des Wiederaufbaus Einzug. Zunehmend verwendete Kunststoff- und Stahlborsten sowie neuere Stopf- und Stanzmaschinen öffneten völlig neue und vielartige Anwendungsbereiche.Dabei blieb die Firma Weber aber dem Bürstenspezialbereich "Kehrmaschinenbesen" treu. Dieses zentrale Produktprogramm wurde stetig ergänzt, zuerst für große Straßenkehrmaschinen, später auch für mittlere Industriekehr- und kleinere Bodenreinigungsmaschinen.
In dieser Zeit manifestierte sich die führende Marktstellung unseres Hauses.

Nachdem auch die beiden letzten Söhne des Firmengründers, Anton junior und Franz, als umsichtige Lenker der 2. Generation verstorben waren, setzten Franz Weber jun. und der Schwiegersohn von Anton Weber jun., Hellmut Menken, die erfolgreiche Marktstrategie fort.

Anfang der 70er Jahre wurden neue Anwendungsbereiche erschlossen. Bürsten für die Betonsteinindustrie, für Kläranlagen und für die Startbahnpflege der Flughäfen wurden neu in das Fertigungsprogramm integriert. Die erste EDV-Anlage hielt ebenfalls in dieser Zeit Einzug in die betrieblichen Abläufe, hier war Weber seiner Zeit weit voraus.

In den 80er Jahren gesellte sich ein weiterer Spezialbereich von Bürstenarten hinzu:sogenannte "Wildkrautbesen" - Spezialbürsten für die herbizidfreie Beseitigung von Unkraut.Hier waren äußerst umfangreiche Entwicklungen notwendig, um Bürstensysteme für Spezialgeräte und Kehrmaschinen funktionsgerecht zu fertigen, die eine Entfernung von Unkrautbewuchs auf Flächen aller Art reibungslos garantieren. Mit der politischen Wende in der DDR stand für die verantwortungsbewußten Unternehmer schon frühzeitig fest, daß in den neuen Bundesländern nicht nur neue Absatzmärkte entstehen, sondern eine konjunkturelle Belebung nur durch unternehmerisches Engagement - wie so oft vom Mittelstand gefordert - entstehen kann.

1996 konnte das Zweigwerk Schmölln in Betrieb genommen werden. Heute haben hier 6 Mitarbeiter eine Arbeitsstätte mit Zukunft.

Anfang des 21. Jahrhunderts steht nun die 4. Generation bereit, die Geschäfte des inzwischen 116 Jahre alt (jung) gewordenen Familienunternehmens weiterzuführen.

Anton Weber 1870-1924
Kleinmühle zu Erbach
Älteste erhaltene Rechnung über ein Weihwasserwedel an die Kirchengemeinde zu Erbach.
Kehrgerät der Stadt Mainz Anfang des 20. Jahrhunderts
Das Firmengelände um 1950
Großauftrag Anfang der 60er Jahre
Das Firmengelände Anfang der 60er Jahre
Das Firmengelände um 1970
Betriebsstätte Schmölln / Thüringen
Das Firmengelände Ende der 90er Jahre
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